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Der Troubadour

Oper von Giuseppe Verdi

Eine Zigeunerin hatte angeblich einen der beiden Sühne des Grafen Luna in der Wiege behext. Sie wurde deshalb zum Feuertode verurteilt.

Der Troubadour – Oper von Giuseppe Verdi

Ihre Tochter Azucena sann auf Rache. Sie raubt den einen jungen Grafensohn und will ihn den gleichen Tod sterben lassen, den ihre Mutter erleiden musste. Wenige Tage später findet man die Leiche eines verbrannten Knaben. So erzählt Ferrando den Wachen vor Lunas Schloß.

Giuseppe Verdi

Die Kunst gehört allen Völkern, daran glaubt niemand mehr als ich. Aber sie wird von einzelnen Menschen ausgeübt, und da die Deutschen andere Kunstmittel haben als wir, ist ihre von der unsern auch innerlich unterschieden. Wir können nicht komponieren wie die Deutschen, oder sollten das doch nicht so tun, die Deutschen nicht so wie wir. Die Deutschen mögen sich unser Kunstgut zu eigen machen, wie das zu ihrer Zeit Haydn und Mozart taten, die aber doch mehr symphonische Musiker geblieben sind. Auch daß Rossini einiges Formale von Mozart nahm, ist richtig – er bleibt doch immer Melodiker.

Wenn man aber aus Mode, Neuerungssucht, vorgeblicher Wissenschaftlichkeit auf das Eigene in unserer Kunst Verzicht leistet und unseren Instinkt verleugnet, die freie natürliche Sicherheit unseres Schaffens, unser Fühlen, unser goldenes Licht – so ist das sinnlos und dumm. Der Dilettantismus, immer und in allen Künsten fatal, verrennt sich aus Sucht nach Neuem, aus Mode in das Vage, in das Seltsame, erheuchelt Enthusiasmen und geht zuletzt auf die Langeweile einer fremden Musik ein, die er klassisch nennt, „hohe“ Musik heißt. Warum klassisch, warum „hohe“ Musik? … Wer weiß das. Und der Journalismus (die andere Geißel unserer Tage) rühmt diese Musik, um Sensation zu erregen, glauben zu machen, er verstünde, was andere nicht oder nicht ganz verstehen. Die Menge ist unsicher, unentschieden, schweigt und läuft hinter all dem her.

Ich könnte Dir nicht sagen, was man tun soll, um aus dieser Krise der Musik einen Ausweg zu finden. Der eine möchte Melodiker sein wie Bellini, der andere Harmoniker wie Meyerbeer; ich möchte weder das eine noch das andere, und wenn es nach mir ginge, dürfte ein junger Mensch, der zu komponieren beginnt, nie daran denken, Melodiker, Harmoniker, Realist, Idealist, Zukunftsmusiker zu sein oder was sonst der Teufel an pedantischen Formeln erfunden hat. Melodie und Harmonie dürfen in der Hand des Künstlers nur Mittel sein, um Musik zustande zu bringen – und wenn einmal der Tag kommt, an dem man nicht mehr von Melodie und Harmonie, von deutscher und italienischer Schule, von Vergangenheit und Zukunft der Musik spricht, dann wird wohl das Reich der Kunst erst beginnen.

Ein anderes Übel dieser Zeit ist, daß alle Werke der jungen Leute von der Angst herkommen. Niemand schreibt, wie es ihm ums Herz ist, sondern wenn diese Jugend ans Schreiben geht, hat sie nur den einen Gedanken, daß man ja beim Publikum nicht Anstoß errege und sich bei den Kritikern Liebkind mache! Du sagst mir, daß ich meine Erfolge der Vereinigung beider Schulen zu danken habe. Ich habe nie an etwas Derartiges gedacht … Sei unbesorgt, mein guter Arrivabene, die Kunst geht nicht unter! Verlaß Dich darauf: auch die neue hat schon etwas geleistet!

Giuseppe Verdi
Aus einem Brief an den Grafen Arrivabene vom 16. Juli 1875

 

Der Troubadour – Handlung

Eine Zigeunerin hatte angeblich einen der beiden Söhne des Grafen Luna in der Wiege behext. Sie wurde deshalb zum Feuertode verurteilt. Ihre Tochter Azucena sann auf Rache. Sie raubt den einen jungen Grafensohn und will ihn den gleichen Tod sterben lassen, den ihre Mutter erleiden mußte. Wenige Tage später findet man die Leiche eines verbrannten Knaben. So erzählt Ferrando den Wachen vor Lunas Schloß.

Heute herrscht Graf Luna, der Bruder des verschollenen Knaben, auf seinem Schloß. Er liebt Leonore, deren Liebe jedoch dem Troubadour Manrico gilt. Ihn erwartet sie. In Luna erwacht eine quälende Eifersucht. Im Zweikampf versucht er den Nebenbuhler zu beseitigen.

Manrico ist bei den Zigeunern aufgewachsen und hält sich für den Sohn der Azucena. Eines Morgens erzählt sie ihm von dem grausamen Tod ihrer Mutter, erzählt ihm von ihrer Rache und bekennt: in ihrer an Wahnsinn grenzenden Erregung habe sie damals nicht den Grafensohn, sondern ihr eigenes Kind ins Feuer geworfen. Manrico ist erschüttert von dem Geständnis — seine aufkeimenden Zweifel, ob er denn nicht der Sohn Azucenas sei, zerstreut die erschrockene Zigeunerin; denn sie lebt nur für die Rache und ihr Werkzeug soll Manrico sein.

Unterdessen hat sich in dem gräflichen Lager die falsche Nachricht verbreitet, Manrico sei tot. Er war aber nur verwundet worden und wurde bei den Zigeunern von Azucena gepflegt. Leonore, von Manricos Tod überzeugt, will ins Kloster gehen, doch unmittelbar vor den Mauern des Klosters erscheint Manrico und es kommt zu einem Handgemenge zwischen ihm und dem Grafen Luna, wobei es Manrico gelingt, Leonore zu entführen. Er bringt sie in eine Burg in Sicherheit.

Graf Luna belagert die Burg, um Leonore für sich zurückzugewinnen. Der Zufall will es, daß gleichzeitig eine Zigeunerin von seinen Soldaten aufgegriffen wird; Luna erkennt in ihr Azucena, die Mörderin seines Bruders, und verurteilt sie zum Tode. Manrico erfährt in seiner Burg von der Tragödie seiner Mutter, versucht verzweifelt sie zu befreien. Der Versuch mißglückt: Im Gefängnis des Grafen Luna finden sich Mutter und Sohn wieder.

Leonore ist aus ihrem Versteck dem Geliebten nachgeeilt. Sie bittet beim Grafen um Gnade für Manrico und ist dafür bereit, dem Werben des Grafen nachzugeben. Graf Luna glaubt sich am Ziel seiner Wünsche, weiß aber nicht, daß Leonore vorher Gift genommen hat, um der Schande zu entgehen. Als Graf Luna im Kerker die sterbende Leonore findet, befiehlt er Manricos sofortigen Tod. Er freut sich seiner Rache, da eröffnet Azucena die furchtbare Wahrheit: „Es war Dein Bruder!"

Hinweis zum historischen Kontext:

Die historischen Texte und Abbildungen dieser Rückschau (bis in die 1950er Jahre) stammen aus den jeweiligen Programmheften und Fotosammlungen und spiegeln ihre Zeit. Sie könnten Begriffe und Darstellungen enthalten, die heute als diskriminierend oder unangemessen gelten. Die Eutiner Festspiele distanzieren sich daher ausdrücklich von solchen Inhalten. Auch die Erwähnung teils umstrittener Persönlichkeiten erfolgt ausschließlich im historischen Zusammenhang. Der digitale Rückblick soll Geschichte transparent machen und zur kritischen Auseinandersetzung mit Sprache, Haltung und Zeitgeschehen anregen. Wo erforderlich, ergänzen wir erläuternde Hinweise. Hinweise auf sachliche Fehler oder notwendige Kontexte nehmen wir gerne unter entgegen.

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Eutiner Festspiele, Juni 2025