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Der Barbier von Sevilla

Komische Oper in zwei Aufzügen

Wie es zum „Barbier von Sevilla" kam, ist eine der reizvollsten und besinnlichsten Züge der Kulturgeschichte...

Der Barbier von Sevilla – Komische Oper in zwei Aufzügen

...Aus den beiden Figarolustspielen des Beaumarchais sind die beiden erfolgreichsten musikalischen Lustspiele hervorgegangen, die wir kennen.
Das zweite, 1781, der „Sturmvogel der Revolution", hatte Mozart zum Vorwurf gedient. Aber dieser „Figaro" hatte einen älteren „Barbier" zum Vorgänger (1775), in dem der Autor lange noch nicht mit all seiner Zeitkritik hervorgetreten war. Schon ein Jahr nach dem Erscheinen des „Barbier" führte Paesiello seine Oper dieses Namens auf. Der Erfolg war beispiellos, sie galt schlechthin als göttlich...

Informationen

Titel: Il barbiere di Siviglia (Der Barbier von Sevilla)
Komponist: Gioachino Rossini
Libretto: Cesare Sterbini
Vorlage: „Le barbier de Séville“ von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais
Gattung: Opera buffa
Sprache: Italienisch
Uraufführung: 20. Februar 1816
Ort der Uraufführung: Teatro Argentina, Rom
Originaltitel der Uraufführung: Almaviva, o sia L’inutile precauzione
Handlungsort: Sevilla

 

„Rossinischer Siroccowind"

JOSEPH GREGOR: „Rossinischer Siroccowind"

Wie es zum „Barbier von Sevilla" kam, ist eine der reizvollsten und besinnlichsten Züge der Kulturgeschichte. Aus den beiden Figarolustspielen des Beaumarchais sind die beiden erfolgreichsten musikalischen Lustspiele hervorgegangen, die wir kennen. Das zweite, 1781, der „Sturmvogel der Revolution", hatte Mozart zum Vorwurf gedient. Aber dieser „Figaro" hatte einen älteren „Barbier" zum Vorgänger (1775), in dem der Autor lange noch nicht mit all seiner Zeitkritik hervorgetreten war. Schon ein Jahr nach dem Erscheinen des „Barbier" führte Paesiello seine Oper dieses Namens auf. Der Erfolg war beispiellos, sie galt schlechthin als göttlich.

Dies lenkte die Augen Mozarts, besser seines schlauen Textdichters, auf die Fortsetzung, auf des Beaumarchais: „Die Hochzeit des Figaro", wo sich die kaum merkliche Ironie bereits zu recht bitterer Satire verdichtet hatte. Es scheint, daß Rossini anfangs Bedenken gegen eine Vertonung des „Barbier" hatte, denn er soll Paesiello förmlich um Erlaubnis gebeten haben, die auch erteilt worden sein mag. Dann aber ging er mit all dem leichten Herzen, all seiner unbekümmerten Musikernatur, die gerade diesen Mann so einzigartig und sympathisch in der Geschichte machen, an seine Arbeit. Es standen nicht mehr als dreizehn Tage zur Verfügung.

So richtete man denn im Hause des Sängers Zamboni eine Art von Fabrik ein. Der italienische Bearbeiter schrieb, Rossini komponiert darauf los, in einem anderen Zimmer arbeiten die Kopisten, in einem weiteren probten die Sänger ihre Partien. Die Premiere (1816) wurde einer der größten Skandale der Theatergeschichte. Das Publikum nahm wahr, daß Rossini unbedenklich nicht nur Melodien, sondern ganze Teile aus anderen seiner Werke entlehnt hatte und pfiff und lärmte wie besessen. Rossini am Dirigentenpult wandte sich um und klatschte sich ganz allein Beifall. Aber sowohl der Direktor als Rossini hatten gute Nerven.

Das Stück wurde am anderen Tag wiederholt, der Komponist blieb aber zu Hause und legte sich vorsichtshalber zu Bett. Furchtbares Geschrei auf der Straße, das ihn auch hier erreichte, mußte er für neue Ausbrüche des gereizten Publikums halten. Aber wie sehr erstaunte er, als die Darsteller seiner Oper zu ihm ins Zimmer drangen, um ihm — von dem beispiellosen Erfolge, von dem nicht endenwollenden Enthusiasmus der Zuhörer Mitteilung zu machen! Auf diese phantastische Weise erhielt die Welt eine der vollkommensten heiteren Opern, die noch einmal das Versprechen der alten Buffa einlöste. Schon im selben Jahr begann die Rossini-Begeisterung, mehr ein wahres Rossini-Fieber.

C. M. von Weber schrieb von dem „Rossinischen Siroccowind, dessen Glut aber bald verbrennen wird". Wagner indessen erklärte Rossini für den „ersten wahrhaft großen und verehrungswürdigen Menschen, der mir bisher noch in der Kunstwelt begegnet war". Für uns ist der Nachklang der Commedia dell‘ arte bis heute zauberhaft. Die brummige Beschränktheit des Dottore, die reizende Eigenwilligkeit des Mündels, die Verkleidung des Liebhabers, aber selbst drollige Nebenpersonen, wie Basilio und Marzelline, sind auf dem Theater wahrhaft unsterblich, da sie sich mit dieser sprühend geistvollen Melodik verbunden haben.

(Aus: Kulturgeschichte der Oper, Gallus Verlag, Wien)

Handlung

Der Barbier von Sevilla

Graf Almaviva bringt Rosine, dem schönen Mündel des ältlichen Arztes Dr. Bartolo, ein Ständchen. Doch Rosine, auf deren Hand und Vermögen Bartolo selbst spekuliert, wird von dem Eifersüchtigen streng bewacht, so daß es zu keiner Verständigung zwischen den Liebenden kommt. Als Helfer bietet sich der vielgewandte Barbier Figaro an. — Almaviva muß als Offizier eines heute in Sevilla einrückenden Regiments in Bartolos Haus einquartiert werden. Rosine schreibt an den Grafen, den sie unter dem Namen Lindoro kennt. Sie wird aus ihren süßen Träumen aufgeschreckt durch Bartolo, der mit dem Musikmeister Basilio kommt. Figaro belauscht die beiden und hört, wie Basilio vor dem Grafen warnt; er empfiehlt, den Nebenbuhler durch Verleumdung von Rosine fernzuhalten, die Hochzeit selbst aber zu beschleunigen. Figaro teilt Rosine seine Beobachtung mit und empfängt von ihr das Briefchen für den Grafen.

Da poltert ein Soldat, der verkleidete Almaviva, die Treppe herauf und besteht auf seinem Quartierzettel. Bartolo versucht vergebens, ihn zurückzuweisen. Es gibt Zank und Streit. Die Wache eilt herbei, zieht sich aber vor dem Offizier respektvoll zurück. – Um eine erneute Begegnung zu ermöglichen, erscheint Almaviva jetzt im Gewand eines Musikmeisters und will Rosine anstelle des erkrankten Basilio die Musikstunde geben. Den mißtrauischen Bartolo weiß er durch Enthüllungen über den Grafen zu beruhigen. Die kaum begonnene Musikstunde wird durch Basilio, der natürlich gar nicht krank ist, gestört; aber durch eine wohlgespickte Börse fühlt sich dieser plötzlich unwohl und verschwindet.

Während Figaro den Alten rasiert, beraten der Graf und Rosine einen Fluchtplan. Dem Alten wird die Sache zu toll. Sofort soll ein Notar herbei, um den Ehekontrakt aufzusetzen. Rosine weiß er doch noch zu gewinnen, da er einen angeblichen Brief von Almaviva mit Verleumdungen zeigt. In gekränkter Liebe teilt ihm Rosine den Entführungsplan mit. Während Bartolo geht, um die Wache herbeizuholen, erscheinen Almaviva und Figaro, klären die Verleumdungen auf und Almaviva gibt sich als Graf zu erkennen. Als nun Basilio mit dem Notar kommt, wird der Musiklehrer bestochen und unterzeichnet selbst als Zeuge den Ehekontrakt zwischen Almaviva und Rosine. Als der betrogene Alte zurückkehrt, muß er sich in alles fügen.

 

Der Barbier von Sevilla – Ensemble

EUTINER SOMMERSPIELE 1964
OPER IM SCHLOSSPARK – 20 Uhr

Der Barbier von Sevilla
Komische Oper in zwei Aufzügen
Text nach Beaumarchais von Cesare Sterbini
Musik von Gioacchino Rossini

Musikalische Leitung: Erwin Jamrosy
Inszenierung: Kurt Brinck
Bühnenbild: Philipp Blessing
Chöre: Fritz Arndt

 

Personen und Besetzung

Graf Almaviva – Martin Häusler
Doktor Bartolo – Bodo Schwanbeck
Rosine, sein Mündel – Erna Maria Duske
Basilio, Musiklehrer – Johne Wiles
Figaro, Barbier – Günther Grimm
Marcelline, Kammerfrau in Bartolos Haus – Hildegunt Walther
Fiorillo, Diener des Grafen – Peter Rasch
Ambrosio, Diener Bartolos – Günther Korth
Ein Notar – Peter Heil
Ein Offizier – Horst Meyer-Edler

Musikanten — Soldaten

 

Weitere Mitwirkende

Begleitung der Rezitative: Gerhard Jünemann
Hamburger Symphoniker (Vereinigte Hamburger Orchester)
Chor der „Eutiner Sommerspiele"

Regieassistent: Dietrich Kurth
Korrepetition: Gerhard Jünemann
Beleuchtung: Walter Hasselmann
Masken: Lothar Noack / Renate Leuschner
Kostüme: Erwin Rath
Inspizient: Dieter Ehlers

Pause nach dem ersten Aufzug

 

Hinweis zum historischen Kontext:

Die historischen Texte und Abbildungen dieser Rückschau (bis in die 1950er Jahre) stammen aus den jeweiligen Programmheften und Fotosammlungen und spiegeln ihre Zeit. Sie könnten Begriffe und Darstellungen enthalten, die heute als diskriminierend oder unangemessen gelten. Die Eutiner Festspiele distanzieren sich daher ausdrücklich von solchen Inhalten. Auch die Erwähnung teils umstrittener Persönlichkeiten erfolgt ausschließlich im historischen Zusammenhang. Der digitale Rückblick soll Geschichte transparent machen und zur kritischen Auseinandersetzung mit Sprache, Haltung und Zeitgeschehen anregen. Wo erforderlich, ergänzen wir erläuternde Hinweise. Hinweise auf sachliche Fehler oder notwendige Kontexte nehmen wir gerne unter entgegen.

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Christian Becker, Eutiner Festspiele

Dank an das Stadtarchiv Eutin, Herrn Jakob Paul Sperrle und an die Eutiner Landesbibliothek, Frau Dr. Betty Brux-Pinkwart.

Vielen Dank allen Freundinnen und Freunden der Festspiele für Materialien und Leihgaben zur Vervollständigung der Übersicht.

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Eutiner Festspiele, Juni 2025