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DER FREISCHÜTZ

Romantische Oper in drei Aufzügen

In der Ouvertüre zu dieser Oper wird ihr innerer Gehalt, wird das Ringen von Gut und Böse in der menschliehen Seele um die Kräfte der Natur, wird der Sieg des Göttlich=Edlen im Menschenherzen und Bilde der Natur deutlich und erregend vorgezeichnet.

DER FREISCHÜTZ – Romantische Oper in drei Aufzügen

Aus dem Trubel eines Schützenfestes heben sich im 1. Akt zwei Gestalten heraus: der Bauer Kilian, der den Vogel abgeschossen hat, und der Jägerbursche Max, der ihm unterlegen ist und wegen seines Mißgeschicks gehänselt wird. Max ist verzweifelt; denn wenn er auch beim „Probeschuß" am nächsten Tag versagt, kann er nicht hoffen, die geliebte Försterstochter Agathe zu erringen.

Die Handlung

In der Ouvertüre zu dieser Oper wird ihr innerer Gehalt, wird das Ringen von Gut und Böse in der menschlichen Seele um die Kräfte der Natur, wird der Sieg des Göttlich‑Edlen im Menschenherzen und Bilde der Natur deutlich und erregend vorgezeichnet. Aus dem Trubel eines Schützenfestes heben sich im 1. Akt zwei Gestalten heraus: der Bauer Kilian, der den Vogel abgeschossen hat, und der Jägerbursche Max, der ihm unterlegen ist und wegen seines Mißgeschicks gehänselt wird. Max ist verzweifelt; denn wenn er auch beim „Probeschuß“ am nächsten Tag versagt, kann er nicht hoffen, die geliebte Försterstochter Agathe zu erringen. Da tritt der Versucher an ihn heran, der finstere Jäger Kaspar, der ihn mit dem derben Trinklied „Hier im ird’schen Jammertal“ aufheitert und schließlich überredet, zur Mitternacht in der Wolfsschlucht Freikugeln mit ihm zu gießen, von denen sechs unfehlbar treffen, die siebente aber vom Bösen selbst gelenkt wird.

Im Försterhaus erwartet Agathe in der friedlichen und doch erregenden Abendstimmung des 2. Aktes den Geliebten. Ihre Verwandte Ännchen sucht sie aufzumuntern. Aber ihre Sorge erhöht sich, als sie von Max erfährt, daß er noch in die Wolfsschlucht muß. Wir erleben dann den höllisch raunenden, geheimnisvoll gewittrigen Zauber der Wolfsschlucht und die beklemmende Zeremonie des Kugelgießens.
Im Vorspiel des dritten Aktes bereitet sich Agathe in Hoffen und Bangen auf die Verlobung vor. Die Brautjungfern singen ihr tanzend das Brautlied. Das jähe Erschrecken darüber, daß in der Schachtel durch Verwechslung eine Totenkrone statt des Brautkranzes sich befindet, löst sich erst, als Agathe einen Ausweg findet; die weißen Rosen, die ihr der fromme Eremit bei ihrem letzten Besuch schenkte, fügen sich wie in besonderer Bestimmung zum Brautkranz.

Dann rauscht mit dem Jägerlied das Fest des Probeschusses auf. Fürst Ottokar bestimmt als Ziel eine weiße Taube. Aber als Max schießt, sinkt Agathe um, und Kaspar ist getroffen. Max gesteht seine Schuld. Vergebens bitten die Versammelten den Fürsten um Nachsicht. Erst als der Eremit für Max spricht und von der Unsitte des Probeschusses abzulassen mahnt, läßt sich der Fürst erweichen, und Max wird nach einem Jahr der Bewährung Agathe heimführen.

Bild
Henriette Sontag (1806 - 1854) als Agathe im ,Freischütz'. Lithographie nach dem Gemälde vn E. Gleich. (Oster. Nationalbibliothek Wien) Bei der Uraufführung der ,Euryanthe' sang Henriette Sontag die Titelrolle und „erwarb den ersten Preis durch ihren lieblichen Gesang. Das ist ein äußerst süßes Wesen". (Carl Ludw. Costenoble)

DER FREISCHÜTZ – Ensemble

DER FREISCHÜTZ – Produktionsangaben (Umbrüche bereinigt)

EUTINER SOMMERSPIELE
Oper im Schloßpark

DER FREISCHÜTZ
Romantische Oper in drei Aufzügen (5 Bildern)
von Carl Maria von Weber
Dichtung von Friedrich Kindt

Personen:

Musikalische Leitung: Erwin Jamrosy
Inszenierung: Kurt Brinck
Bühnenbild: Rudolf Soyka
Chöre: Fritz Arndt

Ottokar, böhmischer Fürst – Jörn Wilsing
Kuno, fürstlicher Erbförster – Hermann Rohrbach
Agathe, seine Tochter – Christiane Hetzei
Ännchen, eine junge Verwandte – Louise Odermatt
Kaspar, erster Jägerbursche – Jef Vermeersch
Max, zweiter Jägerbursche – Dieter Niedung
Samiel – Rainer Scholze
Ein Eremit – Isolt Ketszery
Kilian, ein reicher Bauer – Wilm Weyel
Brautjungfern – Maria Kiessling, Irmgard Beier

Jäger – Landleute

Ort und Zeit der Handlung:
Böhmen nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges

Technische Leitung: Alwin Stroh
Beleuchtung: Walter Hasselmann
Kostüme: Erwin Rath
Masken: Rudolf Herbert
Inspizient: Werner Hartkopf

Hamburger Symphoniker, Chor der „Eutiner Sommerspiele“, verstärkt durch Mitglieder des Eutiner Männergesangvereins von 1843

Beginn: 20.00 Uhr – Pause nach dem 2. Bild – Ende: 22.45 Uhr

Wilhelm Furtwängler

Man spricht heute von einem Wiedererwachen des Interesses an der romantischen Oper. Für den Freischütz kann dies nicht gelten; denn der Freischütz von Weber ist nicht oder nicht nur eine romantische Oper im Sinne der Musikgeschichte. Er ist das Werk, das die Reihe dieser Opern eröffnet hat, das sie repräsentiert wie keine andere, und das sie erschöpft. Er ist nicht ein Beispiel für einen bestimmten Opernstil, sondern er ist durchaus sui generis; ein Werk, wie es weder vorher noch nachher geschrieben wurde oder geschrieben werden konnte. Er ist so wie die Jugend, so wie die erste Liebe, ein Kind der Gnade, ein Glücksfall, auf den weder sein Autor noch wir je so etwas wie ein »Anrecht« gehabt haben, und das wir hinnehmen müssen, wie es uns gegeben wurde – eben als Geschenk eines gütigen Schicksals, das den Deutschen mit dieser Oper zuteil wurde.

Das Wort, dass Weber einzig dazu geboren wurde, um den Freischütz zu schreiben, ist wahr. Denn so schön, so schwungvoll und mächtig die Musikerschaft Carl Maria von Webers ist – den unnachahmlichen und einzigartigen Reiz der Freischütz-Partitur, jenen Schmetterlingsflügelschmelz, der nur diesem Werk anhaftet, hat Weber weder vorher noch nachher jemals auch nur annähernd wiedergefunden.

Die Aufführungsprobleme angesichts dieses wundervollen Werkes sind Legion. Es liegt mir fern, theoretisch darauf eingehen zu wollen. Nur auf eines möchte ich aufmerksam machen: Zur Erfassung dieses Werkes, das einem besonders gesegneten Moment, einer Sternenstunde der Menschheit und seines Autors seine Entstehung verdankt, gehört auch eine Hörerschaft, die sich die Gabe bewahrt hat, das Werk zu sehen, wie es gedacht ist.

Die hinreißende Ouvertüre, die musikalische Zeichnung der Figuren, der einzigartigen deutschen Mädchenfigur der Agathe, der Gestalt des Ännchens, des Max, ja sogar die so genial mit wenigen Strichen getroffene romantische Schauerwelt der Wolfsschlucht kann wirklich verstanden und aufgenommen werden nur mit jener unbekümmerten Unmittelbarkeit des Erfassens, die man mit dem leicht misszuverstehenden Wort »Naivität« kennzeichnet. In diesem Werk ist die Welt noch voller Rätsel. Wir müssen vergessen, dass wir im Zeitalter der autoritären Weltpolitik, der weltumspannenden und kein Geheimnis mehr übriglassenden Technik leben. Wir Menschen von heute, die wir schuldig sind bis zum Rande – an diesem Werk sind wir imstande, die Gnade der Unschuld neu zu erleben.

Es ist voll von jener Kultur des Fühlens (in dem Sinne, wie Weber und seine Zeit dies Wort verstanden), jenem Adel des »Gemütes«, der nur sinnvoll ist, wenn er die korrespondierenden Eigenschaften im Hörer heraufzurufen imstande ist. Diese romantische Oper, das Hauptwerk und ewige Vorbild ihrer Gattung, muss und kann denn auch nur »romantisch« wiedergegeben und nur »romantisch«, so wie es eben ist, von den Hörern aufgenommen werden.

Zur Quellen geschichte des Frreischütz

In Webers Tagebuch findet sich zum 21. Februar 1817 die Notiz: „Von 4 bis 7 bei Kind, Conferenz über den Probenschuß“. Bereits am 1. März konnte ihm Johann Friedrich Kind einen fertigen Text der „Jägerbraut“ vorlegen. Weber begann am 2. Juli mit der Komposition der Oper, die er nach vielen Unterbrechungen am 13. Mai 1820 beendete.

Die Vorgeschichte des Textes zur Weberschen Oper „Der Freischütz“ galt lange Zeit für historisch gesichert und abgeschlossen. 1843 hatte der Dresdener Hofrat Kind einen Bericht zur Entstehungsgeschichte des Operntextes veröffentlicht, der durch einen weiteren „Quellen-Bericht“ von Max M. von Weber, dem Sohn des Komponisten, 1864 in seinen Hauptzügen bestätigt wurde. Dass es dennoch einige – und, wie sich herausstellen sollte, entscheidende – Widersprüche darin gab und beide Berichte in merkwürdigen Gegensatz standen zu einer Bemerkung Carl M. von Webers in einem Brief an seine Braut (vom 19. Februar 1817), ließ keinen Argwohn aufkommen, der groß genug gewesen wäre, dass einer am Wahrheitsgehalt der Aussagen Kinds und Max v. Webers ernsthaft gezweifelt hätte.

Beide Autoren hatten als einzige Textvorlage die „Sage vom Freischütz“ genannt, die in dem von Johann August Apel und Friedrich Laun 1810 in Leipzig herausgegebenen „Gespensterbuch“ enthalten war und ihrerseits auf eine zwischen 1729 und 1731 veröffentlichte Sammlung „Unterredungen von dem Reiche der Geister ... zwischen Andrenio und Pneumatophilo“ zurückging. Die Aussagen stimmten darin überein, dass Kind den Schluss der Handlung wesentlich verändert und durch die neu eingeführte Figur des Eremiten – ein dramaturgisch äußerst glücklicher Einfall – zu einem guten Ausgang gebracht habe.

Die Musikwissenschaftler wussten im Übrigen von einer 1813 komponierten Oper Carl B. Neuners zu einer romantischen Tragödie „Der Freischütze“, dessen Autor als unbekannt galt. Unter dem gleichen Titel wurde 1816 in Wien eine „romantisch-komische Volkssage mit Gesang“ von F. Rosenau und ein „Schauspiel mit Gesang“ von J. A. Gleich, 1818 die romantische Volkssage „Die Schreckensnacht am Kreuz oder Der Freyschütze“ von J. A. Gleich mit Musik von F. Rosenau aufgeführt. Außerdem hatte Ludwig Spohr eine Freischütz-Oper geplant. Allen diesen Werken lag die aus dem „Gespensterbuch“ bekannte Sage zugrunde.

Archivalische Feststellungen anlässlich einer Arbeit über den Münchener Hofmusiker und Komponisten Carl B. Neuner führten vor einigen Jahren zu der Entdeckung, dass das von Kind in seinem „Freischützbuch“ von 1843 mit hohem Selbstlob gepriesene Libretto zur Weberschen Oper in den wichtigsten Partien, vor allem in Bezug auf die Veränderungen der Handlung, mit jener romantischen „Tragödie“ übereinstimmt, die Carl B. Neuner 1813 vertonte. Der Musikhistoriker Gottfried Mayerhofer, dem das Verdienst zukommt, den Autor Kind des Plagiats überführt zu haben, fand heraus, dass zwei verschiedene Fassungen der Münchener Freischütz-Tragödie vorlagen, welche Kind und Weber, die sich schon vorher mit dem Stoff befasst hatten, jedoch zu keiner positiven Lösung gekommen waren, 1817 kennenlernten.

Es gelang Mayerhofer ferner, den Münchener Hofrat Franz Xaver von Caspar als Autor beider Stücke eindeutig zu identifizieren und einen 1824 von ihm verfassten öffentlichen Brief zu entdecken, in dem er höflich, aber unmissverständlich auf den geistigen Diebstahl aufmerksam gemacht wurde. Schließlich konnte er nachweisen, dass die entscheidenden Veränderungen der Handlung, vor allem im Bezug auf die dramaturgische Schlüsselfunktion der Eremiten-Figur, die untragische Lösung, den Antagonismus von Gut und Böse sowie wichtige Szenenortsangaben bei von Caspar bereits vorgebildet waren; was die bisher gültigen „Quellen-Berichte“ von Kind und Max M. von Weber als offensichtlich unwahr entwertete.

Aus diesen Feststellungen ergibt sich nunmehr ein neuer, endlich quellengeschichtlich gesicherter Stammbaum für den Text zur Oper „Freischütz“: „Unterredungen“, 1729 – Apel/Laun „Gespensterbuch“, 1810 – Franz Xaver von Caspar / Carl B. Neuner „Der Freischütze, eine romantische Tragödie“, 1812/13 – Carl M. von Weber / Kind (= von Caspar) Opernbuch.

Die Uraufführung der Oper fand am 18. Juni 1821 im Neuen Schauspielhaus in Berlin unter der musikalischen Leitung des Komponisten statt.

LUTZ LIEBELT